Frauenmarkt

Besuch aus Deutschland

Am Donnerstag habe ich lieben Besuch aus Deutschland bekommen. Es war schön und auch ein wenig körperlich anstrengend. Birgit und ich sind viel viel gelaufen und haben uns sehr viel angesehen. In den letzten Tagen war es somit ein leichtes mein Ziel von 10000 Schritten täglich zuerreichen.

 

Frauenmarkt

Am Freitag habe ich mit Birgit einen ersten Spaziergang durch die Innenstadt von Sofia gemacht und ihr die Moschee, die Synagoge, eine orthodoxe Kirche und eine katholische Kirche gezeigt. Man braucht tatsächlich nur ein paar Minuten spazieren gehen und kann Kirchen aller Religionen und Zeiten besichtigen. Da die Kirchen alle ganz nahe beieinander liegen, sagt man hier dazu  das es sich um das „Viereck der Toleranz“ handelt.

Gleich hinter der Statue der Sofia erhebt sich das terrakottafarbene Minarett der Dzamija Banja Baši (Bädermoschee), die in der Mitte des 16. Jahrhunderts von den Türken errichtet wurde.

Nur wenige hundert Meter weiter stoßen Besucher auf die weiß-rote Fassade der 1909 erbauten sephardischen Synagoge.

Vorher sind wir schon am Ende des Vitoschaboulevards in der griechischen-orthodoxen Kirche gewesen und die katholische Kirche sollte auf unserem Spaziergang auch noch folgen.

Dann habe ich ihr das alte zentrale Mineralbad von Sofia gezeigt. Das städische Mineralbad beherbergte von 1913 bis 1988 ein Schwimmbad und Thermalbad. Heute dient das Gebäude als Museum der Geschichte von Sofia. An dem Gebäude gab es schon Brunnen mit Zapfanlagen, aber während des Umbaus zum Museum standen diese nicht zur Verfügung. Daher wurde neben dem Mineralbad eine neue Brunnenanlage mit über 40 ! Zapfstellen gebaut.

Mineralbrunnern in Sofia

Dort gehen die Leute aus Sofia auch heute noch mit großem Behältnissen das heilende Mineralwasser zapfen. Das Wasser kommt warm aus dem Boden. Die Sofioten kommen mit mehreren großen Gallonen, die an den vielen Zapfstellen abgefüllt werden. Es wird für therapeutische Zwecke zum trinken oder auch baden eingesetzt. Auch können sie so ein wenig von ihrem Geld für andere Dinge sparen.

 

Zapfen von Mineralwasser

Kurze Kaffeepause und damit verbundenes Sonnenbad gegenüber der Brunnenanlage

Weiter ging es durch die alte Markthalle hindurch. Neben der Markthalle steht die Synagoge. Beim betrachten der Synagoge sprach uns ein Bulgare an und gab uns den Hinweis, dass wir nicht weiter in diese Richtung gehen sollen. Da wäre es nicht schön, es gäbe viele „Araber“ dort. Wir sollen lieber umkehren und uns die Innenstadt ansehen.

Aber ich wollte Birgit eben möglichst viele Facetten zeigen. Wir sind also weiter zum Frauenmarkt geschlendert. Der „Zhenski Pazar“ oder „Frauenmarkt“, ist ein wenig orientalisch angehaucht. Auf diesem Markt kaufen die Sofioter ein, hier treffen sich alle Bevölkerungsschichten. Der Markt ist vor allem bei Hausfrauen und Rentnern beliebt.

In der Zeit des Kommunismus konnten sich die Frauen durch den Verkauf von Gemüse, Obst und sonstigen Produkten aus dem eigenen Garten ein paar Levas dazuverdienen. Sie gaben dem Markt dann auch den Namen. Auch heute noch trifft man alte Bäuerinnen aus der Umgebung, die am Straßenrand neben den Verkaufsständen mit einem Korb mit Selbstgeerntetem  sitzen.

Die Preise auf dem “Zhenski Pazar” sind zum überwiegenden Teil sehr niedrig. Ich habe gehört, dass sich einige Einheimische über die Qualität des Obstes beschweren, das beim Kauf in schwarzen Plastiktüten verschwindet, damit der Käufer es nicht gleich sieht, so der Vorwurf. Aber das gilt sicher nicht für alle Händler auf diesem Markt. Wenn ich bei meinen Spaziergängen dort vorbei komme, habe ich bereits mehrmals etwas dort gekauft. Mal bessere, mal schlechtere Qualität. Gehe ich gezielt Obst oder Gemüse einkaufen ist ein anderer Markt meine erste Wahl.

Am heutigen Tag gab es auf dem Frauenmarkt zum ersten Mal einen gesonderten Bereich für Bioprodukte. Es gibt eine Gruppe von Interessierten, die auf verschiedenen bestehenden Märkten an einigen Tagen wechselnd mit ein paar Ständen vertreten sind. Ich habe mir einen „bulgarischen Hirtentee“ (Eisenkraut) aus dem Piringebirge gekauft.

Der Tee enthält ätherische Öle, Eisen, Zink, … Soll gut für gegen Erkältungen sein. Wird aber auch als Wachmacher und Stimmungsförderer bezeichnet. Zumindest sollen die hirten den Tee dazu genutzt haben.

Aber es gibt nicht nur Obst und Gemüse auf dem markt sondern auch Imbisse, Kleidung, Haushaltswaren, Werkzeuge und Souveniers. Besonders gefallen haben mir die Schafwollartikel und die Keramikwaren.

 

bulgarische Keramik

 

Abends waren wir lecker bulgarisch essen. Da haben wir sogar noch draußen gesessen. Bei ca. 20 grad

Samstag morgen haben wir eine geführte Stadtbesichtigung gemacht. Das war ganz interessant, da gab es nochmal viele Hintergrundinformationen.

Samstag Nachmittag sind wir in das Vitoshagebirge gefahren. Die Anreise mit dem doch etwas altersschwachen Bus war schon ein Erlebnis für sich. Die Wettervorhersage hatte schon angekündigt, das es ab 500 m schneien könnte. Und tatsächlich hat es auf der halben Strecke angefangen zu schneien. Oben am Ziel sah alles schön wie mit Puderzucker überzogen aus.

 

Als Naturwunder gelten die Karstquelle „lebendes Wasser“ (Shivata Voda) und die „Steinflüsse“: langgestreckte Geröllfelder aus bis zu 4 Meter großen, rundgeschliffenen Felsen, die durch Verwitterung entstanden sind. Der längste dieser Steinflüsse – Slatni Mostowe (Goldene Brücken) – ist 2 km lang und 50 m breit. Die Naturvielfalt wird durch Hochmoore und Wasserfälle komplettiert.

Wir sind ein wenig Spazierengegangen und haben uns dann in einer kleinen Berghütte bei einem heißen Tee aufgewärmt. Dann ging es mit dem Bus wieder runter.

Und zum Abschluss waren wir gestern Abend noch in der Oper. Das war sehr schön. Die Oper ist noch eines der alten Gebäude mit Logen für den König.

 

Heute Nachmittag habe ich birgit zum Flughafen gebracht und dann erstmal meine Beine hochgelegt.
Eben waren Alfredo und ich noch lecker essen.
Und jetzt ist noch eine Stunde verschnaufen angesagt und dann geht es ins Bett

 

Kultur/Kochen, Kommunikation, Kontakte III

Heute habe ich mich mit Sabka zum Mittagessen getroffen. Ein typischer Treffpunkt in Sofias Innenstadt ist der Justizpalast am Anfang des Vitoschaboulevard. Ein monumentaler Bau mit breitem Treppenaufgang über die gesamte Länge des Gebäudes, die von zwei großen Löwenstatuen flankiert wird.

Von dort aus sind wir an einem Priesterseminar vorbeikommend zu Cactus einem Resturant gegangen. Dort haben wir tatsächlich als Vorspeise eine spanische Gazpacho gegessen. Während des Essens haben wir uns über das Leben in Bulgarien, Arbeiten, die Türkei und ihre Grenze zu Bulgarien unterhalten

Anschließend hat Sabka mir in der Nähe des Frauenmarktes einen der in Sofia sehr seltenen Wollläden gezeigt. Das besondere und warum wir überhaupt dorthin gegangen sind, ist dass es dort ganz dickes Garn gibt. Damit kann man Teppiche oder dicke Wolldecken stricken. Ihre Großmutter hat gestrickt und es wohl auch einmal ihr, ihren vier Cousinen und einem Cousin gezeigt. Aber nur der Cousin ist dabei geblieben. Aber in der nächsten Generation galt man als arm, wenn man selbstgestrickte Sachen anzog und das Stricken war nicht en vogue. Sie konnte es kaum glauben, dass wir Mädchen in meiner Jugend im Schulunterricht gestrickt haben und das geduldet wurde. Sabka hat wohl vor 2 Jahren durch ihren Cousin angestossen das Stricken begonnen. Sie hat an einem Projekt teilgenommen, die für Frühchen Kleidung und Abdeckungen für die Brutkästen gestrickt haben. Sie wollte mich einladen auch daran teilzunehmen, aber das Projekt läuft diese Woche aus.

In der Nähe des Wolllädchens zeigte sie mir einen weiteren Laden, der mir nicht unter all den anderen Läden aufgefallen wäre. Der Laden verkauft Kleidung von renomierten Marken, bei der die Label entfernt wurden. Wie auch immer die Kleidung dahin kommen mag?